Lucrezia Borgia: Nach urkunden und correspondenzen ihrer eigenen zeit, Volume 1

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J.G. Cotta, 1875 - 544 pages
 

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Page 317 - Cardinals, kam in eine nicht geringe Verlegenheit; er zog sich aus ihr in einer Weise, die nicht ehrenvoll für ihn zu nennen ist, und daher auch den Wert jenes Lobes mindert, welches er Lucrezia darbrachte. Die Schmeichelei verführte ihn, eine Ekloge zu dichten, in welcher er die Motive des Attentats verschleierte und den Mörder zu reinigen suchte, indem er den Charakter Giulio's mit schwarzen Farben malte.
Page 101 - Wenn sie nicht die Tochter Alexanders VI. und die Schwester Cesars gewesen wäre, so würde sie kaum in der Geschichte ihrer Zeit bemerkt worden sein, oder nur als ein reizendes vielumworbenes Weib in der Masse der Gesellschaft sich verloren haben.
Page 321 - Unterdes brachte das gegen Giulio d'Este ausgeführte Attentat solche Folgen hervor, daß sich das fürstliche Haus Ferrara von einer schrecklichen Katastrophe bedroht fand. Giulio klagte Alfonso der Ungerechtigkeit an; aber die vielen Freunde des Kardinals fanden dessen Verbannung noch zu hart. Hippolyt besaß einen großen Anhang in Ferrara: er war ein verschwenderischer Lebemann, während der Herzog bei seinen realistischen Neigungen und praktischen Beschäftigungen Hof und Adel vernachlässigte....
Page 293 - Papsts unterrichtet sei, teilen wir Ihnen folgendes mit : als er krank wurde, begann er in einer Weise zu reden, daß wer seine Gedanken nicht verstand, glauben mußte, er rede irre, obwohl er mit vollem Bewußtsein sprach; seine Worte waren: «Ich komme, es ist so richtig, warte nur noch ein weniges.
Page 316 - Augen auszureißen, welche Donna Angela schön gefunden hatte. Das Attentat wurde ausgeführt im Beisein des Kardinals, doch nicht so vollkommen, als es dieser gewünscht hatte. Man trug den Verwundeten in seinen Palast, wo es den Ärzten glückte, ihm das eine Auge zu erhalten. Dieser Frevel geschah am 3. November 1505.
Page 96 - ... herab breitete sich in Novellen, Epigrammen und Komödien ein literarischer Sumpf aus, vor dessen Anblick der ernste Dante wie vor einem höllischen Pfuhle würde zurückgebebt sein. Selbst in den minder lasziven Novellen, deren Reihe Piccolomini mit dem Euryalus begann, und in den minder obszönen Komödien sind doch immer Ehebruch und die Verspottung der Ehe das herrschende Motiv. Die Hetäre wurde die Muse der schönen Literatur der Renaissance. Sie stellte sich dreist neben die Heilige der...
Page 316 - Hofe lebte eine junge Dame, deren Reize alle Herzen bezauberten, bis sie zu einer Hoftragödie Veranlassung gab. Es war jene Angela Borgia, welche Lucrezia aus Rom nach Ferrara mit sich gebracht hatte, die frühere Verlobte Francescos Maria Rovere.
Page 8 - Deinem eigenen Urteil überlassen wir es, ob es für Deine Würde schicklich sei, Mädchen zu schmeicheln, Früchte und Wein derjenigen zu schicken, die Du liebst, und den ganzen Tag auf nichts zu sinnen, als auf jede Art von Wollust.
Page 365 - Gott gesiel, am 14. dieses in der Morgenfrühe eine Tochter und hoffte nach dieser Geburt auch von meinen Leiden befreit zu fein; doch das Gegenteil davon ist eingetreten, so daß ich der Natur den Tribut zahlen muß. Und so groß ist die Gunst, welche mir Unser gnädigster Schöpfer schenkt, daß ich das Ende meines...
Page 130 - Nie gab es einen Diarienschreiber, der so kurz und bündig, so nüchtern und gefühllos die Ereignisse seiner Gegenwart beschrieben hat, welche den Stoff für einen Tacitus darboten. Daß Burkard nicht Freund dieser Borgia war, zeigt die Weise, in der er seine Berichte abgefaßt hat, die übrigens keineswegs Fälschungen sind. Aber dieser Mann verstand es, seine Empfindungen zu verbergen, wenn sie nicht überhaupt unter dem Formelkram seines Amts längst vertrocknet waren. Er ging als eine Maschine...

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